Wenn Essstörungen krank machen

Schönheitswahn und Körperkult können schon bei Jugendlichen Stress und Essstörungen auslösen. Der Weg heraus führt nur über den eigenen Selbstwert.
Magersucht, Bulimie, Binge-Eating-Disorder (Essstörung mit Essanfällen): Die Zahl der jungen Menschen, die an Essstörungen leiden, ist alarmierend. 2008 wurden laut Spitalsentlassungsstatistik für Wien 471 Mädchen wegen Essstörungen behandelt – eine Verfünffachung (!) seit 1989. „Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper ist kontinuierlich gestiegen. Studien zeigen, dass Mädchen mehr betroffen sind als Buben und dass es schon im Kindergarten- und Volksschulalter beginnt“, weiß Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger, Leiterin des Wiener Programms für Frauengesundheit. Die Betroffenen – rund zehn Prozent sind männlich – würden zudem immer jünger: Zehnjährige in stationärer Behandlung seien keine Seltenheit mehr. Man geht davon aus, dass in Österreich mehr als 200.000 Mädchen und Frauen an Magersucht und Bulimie leiden.
Nährboden Schönheitswahn.
„Der gesellschaftliche Druck, einen schlanken und wohlgeformten Körper zu haben, ist massiv.“ Das sei, so Wimmer-Puchinger, ein Nährboden für die Krankheit. Auch die Familie hat großen Einfluss: „Vor allem ein hoher Perfektionsanspruch und Leistungsstreben können zu Essstörungen führen. Auch Eltern, die selbst ständig auf Diät sind, Mütter, die unter Essstörungen gelitten haben oder leiden, übertragen ihre Fixierung."
Gegensteuern!
Den Selbstwert unterstützen und möglichst gegen den gesellschaftlichen Druck immunisieren, das sind für die Expertin wichtige Punkte, um der Krankheit vorzubeugen. Man müsse schon im Kindergarten vermitteln, dass die Persönlichkeit mehr wiegt als das Aussehen und in der Schule in einer kritischen Auseinandersetzung mit Medien und deren Bildern und Inhalten für das Thema sensibilisieren. Beim Wiener Programm für Frauengesundheit setzt man daher im Sinne von Prävention bei den Risikofaktoren an, zum Beispiel mit der Initiative S-O-Ess gegen ungesunde Körperideale oder - gemeinsam mit der Wiener Gesundheitsförderung der Hotline für Essstörungen. Deren Leiterin Christine Bischof weiß: „Essstörungen können schon bei Elfjährigen auftreten. Generell ist Bulimie die häufigste, aber auch die versteckteste Form.“ Übrigens: Von 10.000 Frauen haben nur sechs (!) das „Traummaß“ 90-60-90. „Es ist also an der Zeit, von diesem unrealistischen Vorbild wegzukommen“, so Wimmer-Puchinger.

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